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Bei langsam aufkommenden Knieschmerzen im Alter (Arthrose, Meniskusverschleiß) keine Gelenkspiegelung zur Gelenkreinigung und keinen Meniskusschnitt machen lassen; zuerst abnehmen und die Oberschenkelmuskeln trainieren

  • Mittlerer Nutzen
  • Evidenz A
  • Geld
  • Umstritten
  • Für: Ab 35
  • Kostenlos
  • Einige Stunden
  • Langfristig dranbleiben

Kurz gesagt

Bei Menschen mittleren und höheren Alters mit verschleißbedingten Knieschmerzen ist eine Gelenkspiegelung zur Gelenkreinigung oder das Entfernen eines Stücks Meniskus nicht besser als eine Scheinoperation. Bei der Scheinoperation werden nur Hautschnitte gemacht; die Schmerzen und die Gehfähigkeit danach sind bei den Betroffenen fast so wie nach einer echten Operation. Der Nutzen hält höchstens einige Monate, und es kann zu Blutgerinnseln im Bein kommen. Wer das Bein dauerhaft trainiert, hat weniger Knieschmerzen; Übergewichtige, die außerdem abnehmen, haben noch weniger Schmerzen.

Kosten

Keine Operationskosten, und man spart die 2 bis 6 Wochen Erholungszeit nach der Operation. Nötig ist langfristiges Training der Oberschenkel- und Gesäßmuskeln, mehrmals pro Woche; am besten lässt man sich zuerst von einem Reha-Arzt oder Physiotherapeuten einen Plan zeigen. Übergewichtige müssen außerdem weniger essen, mehr bewegen und abnehmen. Der Haken: Training und Abnehmen wirken langsam, eine Operation scheint alles auf einmal zu lösen.

Was es bringt

Zuerst zur Arthrose. In einer Studie von 2002 wurden 180 Patienten mit Kniearthrose in drei Gruppen eingeteilt: Gelenkreinigung per Arthroskopie, Gelenkspülung per Arthroskopie und Scheinoperation. Bei der Scheinoperation wurden nur Hautschnitte gesetzt, ohne das Arthroskop einzuführen. Weder die Patienten noch die Auswertenden wussten, wer welche Behandlung erhielt. Bei jeder Nachuntersuchung über zwei Jahre waren Schmerzen und Funktion bei beiden echten Operationen nicht besser als bei der Scheinoperation. Der Knieschmerz-Score reicht von 0 bis 100 Punkten; je höher, desto stärker die Schmerzen. Nach einem Jahr lag die Scheinoperation bei 48,9 Punkten, die Spülung bei 54,8 Punkten und die Reinigung bei 51,7 Punkten. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2008 untersuchte 178 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose. Eine Gruppe erhielt eine Gelenkreinigung per Arthroskopie plus Physiotherapie und Medikamente; die andere nur Physiotherapie und Medikamente. Der Gesamtsymptom-Score reicht von 0 bis 2400 Punkten; je höher, desto schwerer. Nach zwei Jahren lagen die Gruppen bei 874 gegenüber 897 Punkten, Unterschied 23 Punkte (95%-Konfidenzintervall −208 bis 161), kein Unterschied. Dann zum Meniskus. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2013 untersuchte 146 Menschen im Alter von 35 bis 65 Jahren. Alle hatten Beschwerden durch einen degenerativen Riss des inneren Meniskus und keine Arthrose. Eine Gruppe erhielt eine teilweise Meniskusentfernung, die andere eine Scheinoperation. Nach 12 Monaten gab es bei allen drei Hauptbewertungen keinen Unterschied. Zum Beispiel Knieschmerzen nach Bewegung (0 bis 10 Punkte): Beide Gruppen besserten sich um 3,1 bzw. 3,3 Punkte. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015 fasste 9 Studien zusammen. Bei den Operierten waren die Schmerzen nach 3 bis 6 Monaten um 3 bis 5 Punkte geringer (0 bis 100 Punkte). Nach 1 bis 2 Jahren gab es keinen Unterschied mehr, und auch die Funktion hatte sich nicht verbessert. Dann zu den Risiken. Symptomatische tiefe Venenthrombosen im Bein traten bei etwa 4,13 von 1.000 Operationen auf (1,78–9,60). Hinzu kommen Lungenembolien, Infektionen und Todesfälle. Auf dieser Grundlage sprach sich eine 2017 vom British Medical Journal (BMJ) organisierte internationale Expertengruppe entschieden gegen Arthroskopien bei fast allen Menschen mit Knieverschleiß aus. Die Expertengruppe schrieb, dass die Erholung nach der Operation 2 bis 6 Wochen dauert. Zuletzt zur Frage, was man tun sollte. Eine norwegische Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte 140 Menschen mittleren Alters mit degenerativem Meniskusriss. Eine Gruppe machte 12 Wochen lang Übungen unter Anleitung, die andere erhielt eine teilweise Meniskusentfernung. Nach zwei Jahren betrug der Unterschied im Kniescore nur 0,9 Punkte (−4,3 bis 6,1), kein Unterschied. Die Trainingsgruppe hatte nach 3 Monaten stärkere Oberschenkelmuskeln. Der Cochrane-Review in der Fassung von 2015 fasste 44 Studien mit 3.537 Menschen zusammen. Bewegung verringerte die Knieschmerzen um 12 Punkte (0 bis 100 Punkte; Konfidenzintervall 10 bis 15 Punkte); die Qualität der Belege ist hoch. Auch zwei bis sechs Monate nach Ende des Trainings blieben es 6 Punkte weniger. Eine US-Studie aus dem Jahr 2013 untersuchte 454 Patienten mit Kniearthrose über 55 Jahren, übergewichtig oder adipös. Die Gruppe mit Diät plus Bewegung nahm im Durchschnitt 10,6 kg ab (11,4 % des Körpergewichts). Nach 18 Monaten lag ihr Schmerzscore (0 bis 20 Punkte) bei 3,6 Punkten; bei denen, die nur Bewegung machten, lag er bei 4,7 Punkten. Dass es lohnend wirkt, liegt daran, dass «das verschlissene und eingerissene Gewebe wegzuräumen» genau das Richtige zu sein scheint und viele Menschen nach der Operation tatsächlich das Gefühl haben, es sei besser geworden.

Hinweise

Streit: Die chinesische Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der Arthrose in der Fassung von 2018 (骨关节炎诊疗指南) sieht es anders. Sie sagt, die Gelenkreinigung per Arthroskopie wirke besser bei Kniearthrose mit «mechanischen Symptomen», etwa wenn lose Knochenstücke im Gelenk liegen oder ein Meniskusriss verrutscht ist. Sie schreibt auch, dass die Langzeitwirkung der konservativen Behandlung gleichwertig sei und dass bei deutlich verengtem Gelenkspalt der Nutzen wohl begrenzt ist. Die Website mit dem Volltext der Fassung von 2021 verlangt eine manuelle Prüfung; der Text konnte nicht wörtlich überprüft werden, deshalb wurde er nicht zitiert. Die Meinung der BMJ-Expertengruppe lautet: Auch mechanische Beschwerden wie Hängenbleiben oder Knacken fallen unter die Ablehnung; nur wenn das Knie tatsächlich blockiert ist und sich nicht mehr streckt, könnte eine Ausnahme gelten. Die Ablehnung der Expertengruppe betrifft auch nicht zwei Gruppen: Menschen, deren Knie nach einem schweren Trauma rasch anschwillt (meist blutet es dann im Gelenk), und Sportverletzungen bei jungen Menschen. In diesen Fällen sollte man sich orthopädisch untersuchen lassen. Eine Arthroskopie ist kein Gelenkersatz; die Expertengruppe sagt, Gelenkersatz sei Menschen mit schweren Beschwerden vorbehalten, bei denen konservative Behandlung nicht wirkt. Welche Schmerzmittel bei Schmerzen infrage kommen, siehe §34.3 (vor Ibuprofen und ähnlichen Schmerzmitteln den Arzt fragen). Auf Glucosamin zur Linderung sollte man nicht hoffen, siehe §6.5 (Glucosamin, Chondroitin). Was man trainieren sollte, siehe §2.16 (Krafttraining); zum Abnehmen siehe §2.32 (bei Übergewicht abnehmen). Die Einstufung des Nutzens als mittel beruht auf einer Einschätzung: Es wurden keine offiziell veröffentlichten Zahlen gefunden, wie viel solche Operationen in China kosten. Der Nutzen besteht vor allem darin, Operationskosten und einige Wochen Erholung zu sparen und seltene Schäden wie Blutgerinnsel zu vermeiden. Der Nutzen geht an Sie selbst und an die älteren Menschen in Ihrer Familie.

Evidenzgrad
A : Konkrete Zahlen aus Metaanalysen, großen Kohorten oder randomisierten Studien; bei Recht und Politik der Gesetzes- oder Originaltext.
Quellen
  1. Moseley JB, O'Malley K, Petersen NJ, et al. (2002). A controlled trial of arthroscopic surgery for osteoarthritis of the knee. New England Journal of Medicine, 347(2), 81–88. https://doi.org/10.1056/NEJMoa013259
  2. Kirkley A, Birmingham TB, Litchfield RB, et al. (2008). A randomized trial of arthroscopic surgery for osteoarthritis of the knee. New England Journal of Medicine, 359(11), 1097–1107. https://doi.org/10.1056/NEJMoa0708333
  3. Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A, et al. (2013). Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. New England Journal of Medicine, 369(26), 2515–2524. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1305189
  4. Thorlund JB, Juhl CB, Roos EM, Lohmander LS. (2015). Arthroscopic surgery for degenerative knee: systematic review and meta-analysis of benefits and harms. BMJ, 350, h2747. https://doi.org/10.1136/bmj.h2747
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  6. Kise NJ, Risberg MA, Stensrud S, et al. (2016). Exercise therapy versus arthroscopic partial meniscectomy for degenerative meniscal tear in middle aged patients: randomised controlled trial with two year follow-up. BMJ, 354, i3740. https://doi.org/10.1136/bmj.i3740
  7. Fransen M, McConnell S, Harmer AR, et al. (2015). Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD004376. https://doi.org/10.1002/14651858.CD004376.pub3
  8. Messier SP, Mihalko SL, Legault C, et al. (2013). Effects of intensive diet and exercise on knee joint loads, inflammation, and clinical outcomes among overweight and obese adults with knee osteoarthritis: the IDEA randomized clinical trial. JAMA, 310(12), 1263–1273. https://doi.org/10.1001/jama.2013.277669
  9. Opposing view: Joint Surgery Group, Orthopaedic Branch of the Chinese Medical Association (2018). Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Osteoarthritis (2018 edition) [in Chinese] (Section 4 Treatment, (3) Surgical treatment, 2. Arthroscopic debridement). Chinese Journal of Orthopaedics [in Chinese], 38(12), 705–715. https://doi.org/10.3760/cma.j.issn.0253-2352.2018.12.001 (full text https://cmab.yiigle.com/uploads/guide_html/%E9%AA%A8%E5%85%B3%E8%8A%82%E7%82%8E%E8%AF%8A%E7%96%97%E6%8C%87%E5%8D%97%EF%BC%882018%E5%B9%B4%E7%89%88%EF%BC%89.html)

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