Kein Vitamin D zum längeren Leben nehmen, wenn kein Mangel besteht
- Hoher Nutzen
- Evidenz A
- Geld
- Umstritten
- Kostenlos
- Ein paar Minuten
- Ohne Willenskraft
Kurz gesagt
Bei Menschen ohne Vitamin-D-Mangel brachte es über 5 Jahre keinen Unterschied, ob sie Vitamin D nahmen: Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Todesfälle traten genauso oft auf wie bei denen, die keines nahmen. Menschen, die kaum aus dem Haus kommen und keine Sonne abbekommen, können täglich 400 IU nehmen, aber nicht mehr als 2.000 IU am Tag. Hohe Dosen lassen die Knochendichte stärker sinken und erhöhen die Zahl der Stürze. Müdigkeit allein ist kein Vitamin-D-Mangel: Wer wochenlang erschöpft ist und die Ursache nicht erkennt, sollte zum Arzt gehen.
- Kosten
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Etwa 0,2 bis 0,5 Yuan am Tag, 100 bis 200 Yuan im Jahr. Das Geld ist nicht viel; der eigentliche Preis ist, dass man glaubt, schon vorgesorgt zu haben.
- Was es bringt
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Die VITAL-Studie untersuchte 25.871 Menschen, die täglich 2.000 IU nahmen, im Median 5,3 Jahre lang. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle unterschieden sich nicht. Bei Krebs mit Metastasierung HR 0,96 (HR = Hazard Ratio, Risikoverhältnis; 1 bedeutet: beide Gruppen gleich; 95%-KI 0,88 bis 1,06). Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse HR 0,97 (0,85 bis 1,12). Gesamtsterblichkeit HR 0,99 (0,87 bis 1,12). Die D-Health-Studie untersuchte 21.315 Australier über 60 Jahre, die 60.000 IU pro Monat erhielten, über 5 Jahre. Auch hier kein Unterschied, Gesamtsterblichkeit HR 1,04 (0,93 bis 1,18); die Sterberate lag bei 5,3 % gegenüber 5,1 %. Dass es lohnend wirkt, liegt daran, dass manche Studien nur beobachteten, ohne einzugreifen: Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel starben häufiger. Das wurde fälschlich als «Auffüllen hilft» gedeutet. Für Menschen, die selten aus dem Haus kommen, gilt ein anderer Rat. Das britische Gesundheitsministerium empfiehlt Erwachsenen, die kaum hinausgehen, in einem Pflegeheim leben oder beim Ausgehen den größten Teil der Haut bedecken, ganzjährig täglich 10 Mikrogramm Vitamin D. Der NHS schreibt, 1 Mikrogramm entspreche 40 IU, also seien 10 Mikrogramm 400 IU. Die chinesische Gesundheitsbranchen-Norm (卫生行业标准) empfiehlt Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren täglich 10 Mikrogramm, ab 65 Jahren 15 Mikrogramm. Dieselbe Norm nennt als tolerierbare Obergrenze 50 Mikrogramm (2.000 IU) am Tag, weil zu viel den Calciumspiegel im Blut zu hoch treibt. Der NHS setzt die Obergrenze für Erwachsene großzügiger bei 100 Mikrogramm (4.000 IU) an. Die Ursachen von Müdigkeit sind vielfältig; der NHS nennt unter anderem zu wenig Schlaf, Stress und Depression, Eisenmangelanämie, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion und Schlafapnoe. Er rät, bei wochenlanger, unerklärlicher Müdigkeit oder wenn sie den Alltag beeinträchtigt, zum Arzt zu gehen. Mehr zu nehmen bringt auch nichts. Die VITAL-Studie prüfte zusätzlich Knochenbrüche: Bei 2.000 IU täglich war das Risiko genauso hoch wie bei Menschen, die nichts nahmen (HR 0,98; 0,89 bis 1,08). Die VITAL-Studie betrachtete außerdem Depressionen, bei 18.353 Teilnehmern über 50 Jahren, die damals nicht depressiv waren. Bei den Einnehmenden traten pro 1.000 Personen und Jahr 12,9 Fälle von Depression oder Rückfall auf, bei den Nichteinnehmenden 13,3 Fälle; ohne Unterschied (HR 0,97; 0,87 bis 1,09). Auch die Stimmungswerte unterschieden sich nicht. Die Autoren schreiben, die Ergebnisse sprechen nicht dafür, dass Erwachsene mit Vitamin D Depressionen vorbeugen. Eine kanadische Studie untersuchte 311 gesunde Menschen zwischen 55 und 70 Jahren ohne Osteoporose. Sie wurden auf drei Gruppen verteilt, die 3 Jahre lang täglich 400, 4.000 bzw. 10.000 IU nahmen. Je höher die Dosis, desto stärker sank die Knochendichte am Unterarmknochen (Speiche); in den drei Gruppen betrug der Rückgang 1,2 %, 2,4 % und 3,5 %. Die Druckfestigkeit der Knochen unterschied sich nicht. Die Autoren folgerten, dass hohe Dosen den Knochen nicht nützen. Eine Schweizer Studie untersuchte 200 Menschen über 70 Jahren, die gestürzt waren; sie nahmen ein Jahr lang monatlich 24.000 (2,4 万) IU oder 60.000 (6 万) IU. In der Gruppe mit 60.000 (6 万) IU verbesserte sich die Beinfunktion nicht, und im Jahr stürzten dort mehr Menschen (66,9 % gegenüber 47,9 %). Eine australische Studie untersuchte 2.256 Frauen über 70 Jahren, die jährlich einmal im Herbst oder Winter 500.000 (50 万) IU nahmen. Ihre Stürze waren um etwa 15 % häufiger (RR 1,15; 1,02 bis 1,30), Knochenbrüche um etwa 26 % häufiger (RR 1,26; 1,00 bis 1,59).
- Hinweise
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Streit: Beide Studien suchten nicht gezielt Menschen mit echtem Mangel, daher gilt das Ergebnis nur für Menschen ohne Mangel. Wer nachweislich einen Mangel hat, an Osteoporose leidet, dauerhaft kaum Sonne bekommt oder ein Säugling oder Kleinkind ist, nimmt Vitamin D weiterhin nach ärztlicher Empfehlung. Schwere Mangelzustände müssen nicht unbedingt gespritzt werden. Die weltweite Konsensusempfehlung zu Rachitis von 2016 empfiehlt die orale Gabe, weil sie schneller auffüllt als die Injektion in den Muskel. In einer Studie mit 61 Kindern mit Rachitis gab es nach 12 Wochen keinen Unterschied bei Laborwerten und Röntgenbildern, egal ob man einmal 600.000 (60 万) IU spritzte oder 10 Wochen lang wöchentlich 60.000 (6 万) IU oral gab. Nach Einnahme der verordneten Dosis sollte man nachkontrollieren lassen; bleibt der Mangel bestehen, lässt man den Arzt prüfen, ob die Aufnahme gestört ist. Wer kaum in die Sonne kommt, nimmt täglich 400 IU; das beugt dem Mangel vor. Die Gesundheitsbranchen-Norm (卫生行业标准) hält fest, dass Vitamin-D-Mangel Rachitis, Osteomalazie und Osteoporose verursacht. Das heißt nicht, dass es vor Krebs oder Herzkrankheiten schützt oder Müdigkeit heilt. Hat der Arzt eine andere Dosis verordnet, nimmt man die verordnete. Ob Menschen mit bestehender Depression von Vitamin D profitieren, ist umstritten. Eine Analyse von 41 Studien aus dem Jahr 2023 fand bei den Depressionswerten eine leichte Abnahme; die Ergebnisse der Studien unterschieden sich aber stark, und die Autoren stuften die Qualität der Belege auf der untersten Stufe ein. Eine Analyse von 2024, nach Dauer aufgeteilt, zeigte: Bei Studien über mehr als ein Jahr war kein Effekt mehr zu sehen. Bei Depression zuerst zum Psychiater oder Psychologen gehen; Vitamin D darf keine Behandlung ersetzen. Betrachtet wurden Gesamtsterblichkeit, Krebs, Herz-Kreislauf-Ereignisse, Knochen, Stürze und Depression; andere Wirkungen wurden hier nicht bewertet. Wie man Babys versorgt, siehe §20.16 (täglich 400 IU Vitamin D geben).
- Evidenzgrad
- A : Konkrete Zahlen aus Metaanalysen, großen Kohorten oder randomisierten Studien; bei Recht und Politik der Gesetzes- oder Originaltext.
- Quellen
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- Manson JE et al. (2019). Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease. NEJM. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1809944
- Neale RE et al. (2022). The D-Health Trial: a randomised controlled trial of the effect of vitamin D on mortality. Lancet Diabetes Endocrinol. https://doi.org/10.1016/S2213-8587(21)00345-4
- NHS. Vitamin D. https://www.nhs.uk/conditions/vitamins-and-minerals/vitamin-d/
- NHS. Tiredness and fatigue. https://www.nhs.uk/symptoms/tiredness-and-fatigue/
- National Health Commission of China. WS/T 578.4-2018 Dietary Reference Intakes for Chinese Residents, Part 4: Fat-Soluble Vitamins [in Chinese], Table 1. https://www.nhc.gov.cn/wjw/yingyang/201805/3dcd74635d8e40bcb5d834d3b2f66964/files/1739783549670_23371.pdf
- LeBoff MS et al. (2022). Supplemental Vitamin D and Incident Fractures in Midlife and Older Adults. NEJM. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2202106
- Burt LA et al. (2019). Effect of High-Dose Vitamin D Supplementation on Volumetric Bone Density and Bone Strength: A Randomized Clinical Trial. JAMA. https://doi.org/10.1001/jama.2019.11889
- Bischoff-Ferrari HA et al. (2016). Monthly High-Dose Vitamin D Treatment for the Prevention of Functional Decline: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2015.7148
- Sanders KM et al. (2010). Annual high-dose oral vitamin D and falls and fractures in older women: a randomized controlled trial. JAMA. https://doi.org/10.1001/jama.2010.594
- Munns CF et al. (2016). Global Consensus Recommendations on Prevention and Management of Nutritional Rickets. J Clin Endocrinol Metab. https://doi.org/10.1210/jc.2015-2175
- Mondal K et al. (2014). A Randomized controlled trial on safety and efficacy of single intramuscular versus staggered oral dose of 600 000IU Vitamin D in treatment of nutritional rickets. J Trop Pediatr. https://doi.org/10.1093/tropej/fmt105
- Okereke OI et al. (2020). Effect of Long-term Vitamin D3 Supplementation vs Placebo on Risk of Depression or Clinically Relevant Depressive Symptoms and on Change in Mood Scores: A Randomized Clinical Trial. JAMA. https://doi.org/10.1001/jama.2020.10224
- Mikola T et al. (2023). The effect of vitamin D supplementation on depressive symptoms in adults: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Crit Rev Food Sci Nutr. https://doi.org/10.1080/10408398.2022.2096560
- Ghaemi S et al. (2024). The effect of vitamin D supplementation on depression: a systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. Psychol Med. https://doi.org/10.1017/s0033291724001697
Änderungsverlauf
Änderungen an diesem Tipp im Originalbuch, neueste zuerst.
- 2026-10-14 Überarbeitet: Kurz gesagt, Was es bringt, Quellen, Hinweise
- 2026-09-28 Überarbeitet: Kurz gesagt, Hinweise
- 2026-09-21 Überarbeitet: Kosten, Kurz gesagt, Was es bringt, Hinweise
- 2026-09-20 Überarbeitet: Was es bringt, Hinweise
- 2026-09-07–08 Seit der frühesten Fassung im Buch
Erwähnt in
- Nicht darauf hoffen, dass viel Kalzium und Knochenbrühe nach einem Knochenbruch die Knochen schneller heilen lassen
- Ab der Geburt jeden Tag 400 Internationale Einheiten Vitamin D geben, bei Stillkindern besonders nicht vergessen; bei reif geborenen Kindern braucht es in den ersten 6 Monaten in der Regel kein zusätzliches Calcium
Aus dem chinesischen Original übersetzt. Originalbuch, Abschnitt 6, Tipp 3. Inhalte können veraltet sein, und Regeln unterscheiden sich je nach Ort. Wenn Sie tatsächlich zu einer Behörde, zum Arzt oder vor Gericht gehen, gilt, was Behörde, Ärztin oder Anwalt sagen. Haftungsausschluss